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Die Ligatur ist dort anzuwenden,
wo sie die sprachliche Richtigkeit nicht stört.

(Der große Duden - Rechtschreibung - Ausgabe 1967)

 

Ligatur [lat.] Verschmelzung von zwei Buchstaben, z. B. ae; auch zusammengegossene Buchdrucklettern, z. B. ff; bes. häufig im Frühdruck mit seinen der Handschrift entlehnten Eigentümlichkeiten (aus: Der große Brockhaus 1983)

ligo 1. binden; pisces ligati (festgefroren); 2. umwinden, verbinden, zuschnüren; 3. vereinigen, schließen (aus: Der kleine Stowasser - lateinisch-deutsches Schulwörterbuch.1971)

 

Kaum ein Thema hat Typographen und Schriftgestalter so umgetrieben wie Gestaltung und Gebrauch von Ligaturen - und tut es heute noch. Wohl in keinem anderen Bereich wird derart intensiv und leidenschaftlich gestritten darüber, was unbedingt richtig ist und was kompromißlos verworfen werden muß. Wie überall kommt es auch hier auf den Zusammenhang und die Zielsetzung im Einzelfall an.  Nicht zuletzt zeigt der Blick in alte Werke: auch die Regeln zum Gebrauch von Ligaturen waren anfällig für Modifikationen, die aus dem Zeitgeist, der Mode, dem stilistischen Empfinden heraus für angebracht gehalten wurden.
Das Seh- und Leseempfinden wandelt sich, was man gut an der Bemessung des Wortzwischenraumes ersehen kann: Wir erwarten heute eindeutig erkennbare Wortzwischenräume in einem Text. Das war in Texten der Gotik so nicht gewünscht - was mit dazu beiträgt, daß wir diese heute als schwer lesbar empfinden.

“Man halte sich stets an die Regeln.
Es sei denn, anders sieht es besser aus.”

 

(aus einem alten Lehrbuch für Schriftsetzer)

Diese Seiten stellen die Ligaturen vor, die in den Schriften des Ateliers zu finden sind. Abgebildet sind die Bleilettern, allerdings nicht kopfstehend, wie der Setzer sie bei seiner Arbeit sieht, aber natürlich spiegelverkehrt.
Gegliedert wurde nach Buchstaben und innerhalb der Gruppen alphabetisch nach den Schriftnamen.
Die Fotos verlinken zu den jeweiligen Seiten.

Ligaturen können vieles sein: Lesehilfe, Gestaltungsmittel oder Zierde. Sie können zwei Buchstaben zusammenziehen, weil diese sprachlich eine Einheit bilden, wie bei ch, ck oder ß oder weil sie sich als speziell gestaltetes Zeichen harmonischer aneinanderreihen ließen, sowohl optisch wie rein praktisch: im Bleisatz konnte es nämlich tatsächlich ein Problem sein, daß überhängende Ober- oder Unterlängen mitunter sich ins Gehege kamen, so daß zwischen den Lettern ein Zwischenraum blieb und sich die Zeile resp. die Druckform nicht korrekt schließen ließ.

Es gibt Buchstabenverbindungen, die so gut wie immer auch eine sprachliche Einheit bilden, dazu gehören das ch, das ck und das ß. Sie sind uns als Ligaturen geläufig, wohingegen die Kombinationen ei, au, ung oder eu als Ligaturen nur selten umgesetzt worden sind (manchmal aber doch).

Schriftsatz ist traditionell ein dienendes Gewerk: er dient dazu, Lesbarkeit und Verständlichkeit eines Textes zu fördern - nicht sie zu stören. Aber selbst hinsichtlich dessen, was fördernd und was störend ist, gehen die Meinungen mitunter auseinander.

 

Die folgenden Fotos führen per Klick zu den jeweiligen Themenseiten:

das sz oder scharfe s;
der Schwabe - in seiner Neigung zu Diminuitiven - sagt “Dreierles-s”

das tz

die s-Ligaturen

die f-Ligaturen

Silben

Doppelbuchstaben

 

 

 

Verbindungen mit Großbuchstaben

das Qu

Wortanfänge (Ligaturen mit Versalien)

 

 

 

Zum Weiterlesen:

 

Bernd Brenner: Schrift. Setzen. Handbuch für Gestaltung. Kokawke, 1995 (ISBN 3-9802846-1-1)

Friedrich Forssman, Ralf de Jong: Detailtypographie. Nachschlagewerk für alle Fragen zu Schrift und Satz. Hermann Schmidt, Mainz, 2002. (ISBN 3-87439-568-5)

 

 

 

und antiquarisch:

Leo Davidshofer, Walter Zerbe: Satztechnik und Gestaltung. Schweizerisches Fach- und Lehrbuch für Schriftsetzer. Zweite Aufl. 1962.

Josef Käufer: Das Setzerlehrbuch. Die Grundlagen des Schriftsatzes und seiner Gestaltung. Otto Blersch Verlag, Stuttgart, 1956.

Walter Mehnert: Die Gehilfenprüfung als Schriftsetzer. Otto Blersch Verlag, Stuttgart, 1961 (1947).

 

 

 

 

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