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Der große Umzug
Ende Januar 2004: 80 Liter weiße Farbe wollen sich nur widerstrebend auf eine langfristige Beziehung mit dem Verputz einlassen. Viel Überzeugungsarbeit wird geleistet.

Das Kernstück des Buchdruckateliers macht sich auf den Weg in seine neue Heimat. Viele kräftige Hände helfen dabei, die Korrex-Andruckpresse unversehrt zu transportieren. In den neuen Räumen wird der Druckzylinder wieder korrekt aufgesetzt. Die Helfer schauen derweil aufmerksam zu und warten auf den Rückruf der Autovermietung, deren Transporter spontan vergessen hat, wo sein Rückwärtsgang ist bzw. ob ein Rückwärtsgang überhaupt serienmäßig zur Fahrzeugausstattung gehört. Rückwärts fährt der Transporter jedenfalls im Moment nur, wenn man ihn schiebt, was dem Umzug nicht nur eine komische Note gibt.

Einsam und leer warten die ersten Setzregale und die Werkbank auf Gesellschaft. Günter Dißlin bleibt derweil auf dem frisch verlegten Rasenteppich. Bald schon füllen sich die neuen Räume mit Mobiliar und Schriftkästen.

Auf allen verfügbaren Flächen stapeln sich Schriftkästen. Sorgsam ausgebunden hat der Stehsatz den Umzug gut überstanden. Drucksaal und Bleisatzraum sind schon gut ausgestattet - Büro, Buchbinderei und Galerie sind beim nächsten Mal dran.

Der kleine schmucke Kanonenofen schaut sich noch nach seinem endgültigen Platz um, die Pappschere steht schon da, wo sie hingehört - nur der Teppich drunter fehlt noch ... eine reizvolle Aufgabe. Der Pausentisch wartet auf das Umzugswochenende Nummer drei.
Der große Tisch hat aus seiner früheren Arbeitsstätte noch eine Notiz mitgenommen.

Wir schreiben das dritte Februar-Wochenende, und das Schleppen geht weiter.

Der alte Schreibtisch hat sich schon bestens mit dem digitalen Telefon angefreundet. (Die Nummer ist übrigens 0 71 72-30 58 58)

Und warum streichelt hier keiner den Hund?

Der Kühlschrank ist auch schon da. Sein Türwächter gibt Acht, dass sich drinnen kein Rachedämon bildet ...

Das erste Werk, das im neuen Atelier entsteht, ist das Plakat zur Eröffnungsausstellung.

Das Papier ist schon eingeräumt - die Skyline beeindruckend

Die alte Wurzelholzanrichte hat sich eingefunden und bietet der “Philosophischen Galerie” eine erste Heimstätte.

Das Bücherregal ist auch schon mit den essentiellen Werken bestückt.

Und im Regal warten alle Sorten von handgefertigten Büchern auf Gäste und Besucher ...

Es tauchen noch Papierpacken auf, die einen Liegeplatz suchen. Obwohl der Umzug nun schon über 4 Wochen dauert, ist in der Pflasterpackung immer noch was drin.

 

Und auch wenn alle Pflaster aufgebraucht sein werden: Der Blick aus den Fenstern wird bleiben. Wiesen, Äcker, im Hintergrund der Hohenstaufen und dazwischen rüttelt der kleine Falke, der in der Hecke am Straßenrand wohnt.

 

8 Mal werden wir noch wach, heißa, dann ist Öffnungstag.

Gestern war alles noch ordentlich und aufgeräumt. Nun stapelt sich Material, für das erst noch ein Regal zusammengeschraubt werden muss. Wir haben nicht mal mehr 1 Woche bis zur Eröffnung ...

Sogar die Setzerei muss als Zwischenlager herhalten.

Handbücher sind Bücher, die man in eine Hand nehmen kann. Diese Art der Definition kann nicht uneingeschränkt auf Handtiegel übertragen werden. Aber schließlich halten sich ja Taschenbücher auch nicht unbedingt an den Eindruck, den die Bezeichnung erweckt.

Im Galeriebereich warten die gerahmten Bilder darauf, dass endlich jemand die Galerieleisten an die Wand dübelt.

Und eine Pappschere ist eigentlich zum Schneiden von Pappen da, nicht zum Ablegen von Rollen. Aber das wird schon alles noch (wann ist Eröffnung?)

 

Ein weiteres Umzugswochenende ist überstanden. Sogar die Palmen durften mit - ersichtlich strapaziert, zu lange haben sie auf eine Mitfahrgelegenheit gewartet und mussten aus Gewichtsgründen aufs Gegossenwerden verzichten. Ein starkes Team hilft.

Jetzt ist einräumen angesagt. Das Kapitalband in die großen Schubladen, der Zwirn in die kleinen - und auf dem Örtchen lächelt der fröhliche Drucker vom Kollegen HAP.

Morgen ist Eröffnung (hatten wir nicht gestern noch fast eine Woche Zeit?). Die Fenster müssen geputzt werden. Endlich: Die Spüle steht! Aber die gerahmten Bilder warten noch immer auf ihre Galerieleisten (die Bohrmaschine hat ihrer Überzeugung Ausdruck verliehen, dass sie unbedingt und sofort neue Kohlen will). Ist der Abfluss eigentlich dicht? Warum hat keiner den Samowar in Betrieb genommen? Welches Tuch legen wir auf die große Tafel? Stört sich hier irgendjemand daran, dass es draußen schon dunkel ist?

Und neben den großen Kisten mit der Keramik, die morgen die Besucher faszinieren wird, wartet der Hund darauf, dass Frauchen wiederkommt ...

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